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StartseiteArchivEDITO+KLARTEXT 06/11EDITO+KLARTEXT 06/11 D

An den November-Anlässen trifft sich die Branche. Ende Oktober feierten Chefredak-torin Marie-Josée Kuhn und ihr Team das 10-Jährige von „Work”, mit ­Gratulationen vom stv. Chefredaktor der „Aargauer Zeitung” Werner de Schepper („Kuhn ist Kopf, Herz, Lunge und Bauch von Work”) oder von Markus Mugglin („Echo der Zeit”). – Gefeiert wurde in Zürich und Basel zur gleichen Stunde: der 30. Geburtstag der WOZ und die Geburt der Basler „TagesWoche”. Bei der WOZ wünschte man sich, dass wie beim Fussball Transfergelder bezahlt würden, wenn von der WOZ ausgebildete Kollegen zu grossen „Medienvereinen” wechseln. Am Fest sah man auch ältere Gesichter – die WOZ lädt alle Erstabonnenten immer noch persönlich ein. WOZ-Mitbegründer Res Strehle indes, heute Co-Redaktionsleiter des „Tagi”, war in Basel. Dort konnten Urs ­Buess und Remo Leupin weitere Jour­nalistenkollegen von ennet dem Jura – wie Rainer Stadler (NZZ), Kurt-Emil Merki („Sonntag”), Tom Nagy und ­Florian Steglich (NZZ) – begrüssen und konstatieren, dass es offenbar auch eine ­lebendige Basler Medien- und Journalistenszene gibt – falls man sie einlädt ...

Am 2. November dann die Herzberg-Tagung des Vereins Qualität im Journalismus, wo sich die journalistische Basis von Radio DRS über Radio Pilatus, NZZ oder „Landbote” bis „Berner Ober­länder” usw. mit Recherchecracks austauschte. ­Referent war der Recherchechef des „Stern” aus Hamburg, Oliver Schröm. Am Folgetag konnte man das Mediensymposium der SRG im grossen Studio von SF besuchen. Mike Müller erklärte da als Burri, Hanspeter die (Medien-)Welt, und Kurt Imhof kreierte in Anlehnung an die Entführung des SVP-Maskottchens den Begriff „Zottel-Journalismus” (wenn Nebensachen zum medialen Hype gepusht werden). Wer noch nicht müde war, ging eine Woche später an den Anlass von Medien­kritik Schweiz zur Medienpolitik. Dort erklärte CVP-Generalsekretär Tim Frey schelmisch, warum die CVP bei zwei Umfragen zur Medienpolitik einzelne Fragen diametral entgegengesetzt beantwortete: „Wir haben dann meistens eine Position dazwischen.” Dann der von einem neuen Komitee wiederbelebte Berner ­Medientag. Trotz Konkurrenzkampf zwischen „Bund” und „Berner Zeitung”, Regi DRS und Capital FM, SRG und Tamedia trifft sich die Berner ­Medienszene immer noch in freundschaftlicher Berufssolidarität zur Debatte.

Am Medienball (Zürcher Presseball) traf sich in festlicher Robe eine Runde aus ­Führungsleuten der Medienbranche – mit Verstärkung aus dem Showbiz. Man tanzte im noblen Dolder Grand für einen guten Zweck – für Reporter ohne Grenzen.

Klare Worte von Ulrich E. Gut, dem ehemaligen FDP-Kantonsrat und langjährigen Chefredaktor der „Zürichsee-Zeitung”, zur „Weltwoche”. Er schreibt vom „Hetzblatt von Blochers stellvertretendem Chefideologen”. Gut regt sich auf, weil „die Lakaien der Despoten in den Medien mögliche Gegner mit allen Mitteln diffamieren”.

„Die BaZ bietet die Informations-Grundversorgung – wo sonst lese ich die Todes­anzeigen?” Das ist kein fieser Spruch zur grössten Basler Zeitung, sondern eine Aussage von BaZ-Verleger Moritz Suter im Vortrag „Als liberaler Unternehmer bei der Crossair und der BaZ”. Zur BaZ äusserte er sich aber erst in der Fragerunde: Wenn 10 Prozent der Abonnenten je für 10 000 Franken Aktien zeichnen würden, dann seien die Probleme der BaZ gelöst und „wir sind unabhängig”. Und jetzt also abhängig, denkt sich da der Chronist.

Wirklich wahr: Herman Van Rompuy, der Präsident des Europäischen Rates, hielt an der Uni Zürich die sogenannte „Churchill-Rede” – und bat danach zu einer Pressekonferenz. Fragen aber waren nicht erlaubt! Konrad Hummler, VR-Präsident der NZZ, kommentierte: „Welche Art von Selbstwertgefühl herrscht eigentlich bei den Journalisten, dass man sich Fragen verbieten lässt und nicht den Raum in globo verlässt?”

Im September hatte Karlheinz Kögel die Mehrheit bei Radio Basel übernommen. Anfangs September sagte er: „Wir sind in den letzten Wochen als Radio Basel sehr erfolgreich, die Hörerzahlen sind gestiegen, die Werbeeinnahmen erreichen neue Höhen.” Insofern könne man „in Ruhe darüber nachdenken, wie wir weitermachen”. 15 Tage später wurde bekannt, dass Stellen abgebaut werden. Das nennt man unternehmerischen Weitblick!


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