Annonces EDITO
StartseiteArchivEDITO 02/09EDITO 02/09 D

Nr. 02/09

K. u. K.
Hier ein paar Stellen weg, da ein paar Seiten weniger: In Krisenzeiten greifen Verlagsmanager gerne zu einfachen Rezepten. Wer vermisst schon Dienstredaktoren oder Weekend-Beilagen? Eben: Keiner und jeder. Wir suchen Rat bei K. u. K., bei Kurt und Klaus.
Für den „Weltwoche”-Kolumnisten Kurt W. Zimmermann ist der grosse Abbau ganz okay – „kein Grund zur Besorgnis”: „Wenn die Redaktionen kleiner werden, werden Zeitungen fast automatisch besser.” Weil sie nämlich keine Zeit mehr haben für den „oft zufällig zusammengeschusterten Hintergrund”, für all den „Unfug” wie Reportagen, Porträts oder Spezialseiten. Die „verbleibenden Journalisten” können sich stattdessen „auf die klassische Kernkompetenz ihrer Blätter zurückbesinnen”. Und die wäre? Zeitungen „haben die Aktualität zu vermitteln und diese Aktualität intelligent zu analysieren. That’s it.” Sie können also „in ihre Vorvergangenheit zurück, als sie noch Parteiblätter waren”. Kurzum: Neues von der Depeschenagentur garniert mit etwas Besserwissen aus der Redaktion. Wir wünschen viel Glück beim Zeitungsverkauf.
Wer es nicht mit Rezepten aus der Vorvergangenheit versuchen will, findet Anregungen bei Klaus Meier, Professor für Journalistik in Darmstadt. Er empfiehlt, in der Krise nicht nur auf die aktuellen Ereignisse zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange, sondern auf die strukturellen Veränderungen zu achten: „Das Geschäftsmodell des privat-kommerziellen Journalismus, das im 19. Jahrhundert erfunden wurde, erweist sich als nicht mehr zukunftsfähig”. Meiers Empfehlung an die Verlage: „Gedrucktes Papier funktioniert für Hintergrund, Analyse und Meinung – zumindest in Krisenzeiten.” Und seine Prognose: „Tageszeitungen werden zu Wochenzeitungen und erscheinen gedruckt nur noch ein- oder zweimal pro Woche mit Hintergrund und Übersicht.” Was nun? Was tun? Wer nicht nur die konjunkturelle Depression überwinden, sondern auch die strukturellen Probleme lösen will, sollte nicht zu Rezepten aus der Vorvergangenheit greifen. Sondern eine wirkliche Erneuerung wagen – also eher K. statt K., Klaus statt Kurt.

Ivo Bachmann
www.bachmannmedien.ch